Jour fixe Bildungstheorie | Bildungspraxis: Vom Nutzen und Nachteil der Wissenschaftsskepsis für Bildung und Demokratie

Skepsis und Wissenschaft sind mehrdeutig miteinander verbunden. Einerseits ist Skepsis eine Haltung, die untrennbar mit der Ausübung von Wissenschaft verbunden ist. Andererseits kam sie vor allem in den letzten Krisenjahren in Verruf als Bezeichnung für eine Haltung, die wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnt bzw. sogenannte alternative Fakten oder auch den Hausverstand als Argumentationsgrundlagen anführt. Dabei sind Wissenschaften immer im Plural zu denken – Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften mit unterschiedlichen Methoden, Zugängen und Funktionsweisen. Zu berücksichtigen ist, dass auch der Wissenschaftsbetrieb politisch und interessengeleitet ist. Dies zeigt sich im Besonderen am „neoliberalen“ Umbau wissenschaftlicher Institutionen, der unter dem Schlagwort der Ökonomisierung von Wissenschaft und Bildung diskutiert wird.

Wie steht es mit dem Zusammenhang von Demokratie und Wissenschaft? Dieses Begriffspaar wird in der öffentlichen Diskussion oft ausgesprochen, aber in der Folge wenig differenziert erläutert. Denn wie kann Wissenschaft auf die Demokratie wirken und umgekehrt und wie sind die beiden in ihrer Entstehung verbunden? Welche demokratiepolitischen Auswirkungen kann der Vertrauensverlust in wissenschaftliche Institutionen haben? Wie hängen die Systeme Politik und Wissenschaft zusammen? Und ist Skepsis immer schlecht und nicht auch ein Grundprinzip von Wissenschaft? Und was hat das alles mit Erwachsenenbildung zu tun?

Wissenschaftsorientierung und Demokratisierung sind eng mit der Entstehung von Erwachsenenbildung im 19. Jahrhundert verbunden, mit dem Kampf um Demokratie und Zugang zu Wissen für alle. Wie stellt sich das Verhältnis Erwachsenenbildung, Demokratie und Wissen(schaft) heute dar? Viele Informationen und Bewertungen stehen – vor allem auch durch social media – zur Verfügung. Steigen mit der Zugänglichkeit auch Wissen und Beurteilungsfähigkeit? Welche Rolle spielt das Desinteresse an Wissenschaft?

Im Wintersemester 2023 thematisiert der Jour fixe Bildungstheorie I Bildungspraxis die Verflechtungen von Wissenschaft, Demokratie und Erwachsenenbildung, sowie Modelle der Auseinandersetzung mit Wissenschaft und Wissenschaftsskepsis in der Erwachsenenbildung.

Folder zur Vortragsreihe

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Veranstaltungen

Konzept und Organisation:
Genoveva Brandstetter: pädagogische und wissenschaftliche Leitung im Ring Österreichischer Bildungswerke
Barbara Litsauer: Generalsekretärin des IWK, Lektorin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien
Amos Christopher Postner: Universitätsassistent am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien
Stefan Vater: wissenschaftlicher Mitarbeiter der Pädagogischen Arbeits- und Forschungsstelle des Verbands Österreichischer Volkshochschulen
Veronika Wöhrer: Professorin für Bildung und Ungleichheit am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien

Der Jour fixe Bildungstheorie | Bildungspraxis: Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation zwischen Erwachsenenbildung und Universität, in der das Theorie-Praxis-Verhältnis der Erwachsenenbildung als lebendiger Diskurs gepflegt wird. Im Zentrum der Diskussions- und Vortragsabende, Expert*innengespräche und Workshops – an vier bis fünf Terminen pro Semester – stehen offener Austausch, Perspektivenwechsel, theoretische Reflexion und Kritik. Die Reihe ist offen für alle Interessierten.

Veranstaltungsreihe organisiert von:
Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien
Ring Österreichischer Bildungswerke
Verband Österreichischer Volkshochschulen
Institut für Wissenschaft und Kunst