Stella Klein-Löw (1904–1986) – Erlebtes und Gedachtes

Datum/Zeit
​Mi 22/01/2014
09:00–16:30

Ort
IWK

Typ
Tagung

Stella Klein-Löw, Pädagogin, Psychologin, Politikerin und Erwachsenenbildnerin, wurde am 28.1.1904 in Przemyśl, Galizien, in eine großbürgerliche Familie geboren. Aufgewachsen ist sie aber größtenteils in Wien. Bereits in ihrer Schulzeit erwachte ihr politisches Bewusstsein im Sinne des Sozialismus und sie schloss sich der Sozialistischen Arbeiterjugend an. Im Zuge ihrer Parteiarbeit lernte sie viele bedeutende und sie prägende Menschen kennen, wie etwa Otto Glöckel, dessen zukunftsweisende Schulreform bestimmend auf ihr pädagogisches Verständnis wirkte. Sie studierte an der Wiener Universität Germanistik, Altphilologie und bei Karl und Charlotte Bühler Psychologie. Durch ihre Bekanntschaft mit dem Ehepaar Wilhelm und Annie Reich kam sie mit der Psychoanalyse in Berührung.

Im englischen Exil konnte sie in der „Grange“, einem Internat für schwererziehbare Kinder und Jugendliche, ihre pädagogischen und psychologischen Erfahrungen fruchtbringend einsetzen. Ihre politische Tätigkeit führte sie im Londoner Büro der österreichischen Sozialisten fort und trat 1942 der Labour Party bei. 1946 nach Wien zurückgekehrt, arbeitete sie wieder als Mittelschullehrerin, später als AHS-Direktorin, nahm auch ihre politische Kultur- und Schulungsarbeit zum Wiederaufbau der Demokratie und der Sozialistischen Partei wieder auf und wurde von 1959 bis 1970 als Abgeordnete zum Nationalrat tätig. Jahrzehntelang wirkte sie auch in der Erwachsenenbildung, unter anderem in einer Ehe- und Sexualberatungsstelle an der Volkshochschule Alsergrund.

Die Tagung nimmt den 110. Geburtstag von Stella Klein-Löw zum Anlass, um an ihr vielfältiges Engagement zu erinnern und dieses in Bezug zu gegenwärtigen Problemstellungen zu bringen.

Programm

Mittwoch, 22.1.2014

  • 9.00–9.30 Uhr: Begrüßung und Einleitung: Biografischer Überblick
  • 9.30–10.00 Uhr: Hannah Fischer (Wien): Stella Klein-Löw als Lehrerin im Chajes-Gymnasium und Begegnungen in England
  • 10.00–10.30 Uhr: Eleonore Lappin-Eppel (Graz/Wien): Jüdische Kindheit und Jugend im Wien der Zwischenkriegszeit
  • 11.00–11.30 Uhr: Ilse Korotin (Wien): Stella Klein-Löw – Charlotte und Karl Bühler, Wilhelm und Annie Reich. Der Einfluss von Psychologie und Psychoanalyse auf Stella Klein-Löws Denken und Handeln
  • 11.30–12.00 Uhr: Renate Göllner (Wien): Vaterländisch, katholisch, antisemitisch. Schüler und Lehrer im Klerikalfaschismus
  • 13.30–14.00 Uhr: Traude Bollauf (Wien): Stella Klein-Löw und die Dienstmädchen-Emigration – Lebenswege im englischen Exil
  • 14.00–14.30 Uhr: Beate Matschnig (Wien): Von der „Grange“ in England in die „Josefstadt“. Vom Umgang mit kriminellen Jugendlichen – mit Blick auf die Gegenwart
  • 15.00–15.30 Uhr: Oskar Achs (Wien): Die Lehrerin Stella Klein-Löw nach der Rückkehr nach Österreich – bildungspolitische Vorstellungen in der Nachkriegszeit und heute
  • 15.30–16.00 Uhr: Hilde Hawlicek (Wien): Stella Klein-Löw als Politikerin und Parlamentarierin
  • Abschluss: 30-minütiges Hörfunk-Interview mit Stella Klein-Löw durch Manfred Jochum

Vortragende

Oskar Achs: Ehem. Direktor des Bundesgymnasiums für Berufstätige in Wien. Forschung und Publikationen zur Bildungs- und Schulpolitik.

Traude Bollauf: Ehem. Redakteurin der Zeitschrift »Die Frau«; Ex-ORF-Mitarbeiterin; Mitarbeiterin der FrauenAG der Österreichischen Exilgesellschaft. Studium der Geschichte, der Judaistik und Germanistik. Publikation zur „Dienstmädchen-Emigration“.

Hannah Fischer: Im September 1938 über Betreiben der Mutter nach England verschickt; in London Trainee in Anna Freuds Hampstead War Nurseries, später Kindergärtnerin im Austrian Day Nursery des Austrian Centre, 1946 Rückkehr nach Österreich, 1947–1952 studierte sie nebenberuflich Pädagogik. Ab 1957 arbeitete sie im Zentralkinderheim in Wien, ab 1967 als Lehrerin an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik; 1984–1990 war sie deren Direktorin.

Renate Göllner: Publizistin, schrieb zuletzt das Buch „Schule und Verbrechen. Die Vertreibung jüdischer Schülerinnen und Schüler von Wiens Mittelschulen“ und arbeitet zur Geschichte der Psychoanalyse.

Hilde Hawlicek: Politikwissenschafterin, AHS-Lehrerin für Deutsch und Geschichte, SPÖ-Politikerin. 1976–1996 Abgeordnete zum Nationalrat, wo sie mit Stella Klein-Löw als Parlamentarierin zusammentraf. 1987–1990 Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Sport, 1995–1999 Abgeordnete zum Europäischen Parlament.

Ilse Korotin: Leiterin der Dokumentationsstelle Frauenforschung und des multimodularen Forschungs- und Dokumentationsprojekts biografiA am IWK sowie der FrauenAG der Österreichischen Exilgesellschaft.

Eleonore Lappin-Eppel: Lehrt und forscht am Centrum für jüdische Studien der Universität Graz, am Zentrum für jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg und am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Beate Matschnig: Jugendrichterin im Landesgericht für Strafsachen Wien; Vorstandsmitglied des Vereines Kinderstimme, im Verein ÖGIF (Österreichische Gesellschaft für interdisziplinäre Familienforschung). Mitglied der psychosozialen Kommission, Mitglied der Internationalen Jugendrichtervereinigung.

Ursula Stern: Exilforscherin (u.a. im Projekt »Servitengasse 1938. Spurensuche in der Nachbarschaft«) und Mitarbeiterin der FrauenAG der Österreichischen Exilgesellschaft.

Konzeption und Organisation

Traude Bollauf, Ilse Korotin, Ursula Stern, FrauenAG der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge) und biografiA – Dokumentationsstelle Frauenforschung (IWK)