Ruth Sonderegger: Ästhetische Bildung in der postkolonialen Kritik

Ich werde meinen Vortrag zwei Aspekten der postkolonialen Kritik widmen und dann ihren Zusammenhang diskutieren. Theorien der ästhetischen Bildung sind nämlich in mindestens zweierlei Hinsichten im Fokus der postkolonialen Kritik: einerseits aufgrund der rassistischen Ausschlüsse, die seit dem 18. Jahrhundert geradezu konstitutiv zu Theorien der ästhetischen Bildung zu gehören scheinen. Auf der anderen Seite stehen jene Ansätze der de- und postkolonialen Kritik, die Theorien und Praktiken ästhetischer Bildung verdächtigen, nichts anderem als der Trennung zwischen wahren, verfeinerten bürgerlichen Subjekten einerseits und demgegenüber minderwertigen Wesen auf der anderen Seite zuzuarbeiten bzw. diese Unterscheidung unter sich verändernden historischen und geopolitischen Umständen immer wieder erneut zu etablieren. Am Ende soll es auch um die Frage gehen, wo es Ansätze der ästhetischen Bildung gibt, die sich der skizzierten Tendenz insbesondere westlicher Theorien des Ästhetischen widersetzt haben und noch immer widersetzen.