Murat Ates: An-ātman. Zur Frage des Subjekts in der frühen indischen Philosophie

Datum/Zeit
​Do 23/04/2015
19:00–21:00

Ort
IWK

Typ
Vortrag

Der Vortrag widmet sich der frühen Phase indischen Denkens, in dessen Anfängen bereits ein Jahrtausend vor der abendländischen Zeitrechnung eine höchst anspruchsvolle Thematisierung und zugleich Problematisierung von Subjektivität vorliegt. Der Fokus wird sich vor allem auf die Kontroverse rund um den Begriff des ātman bzw. anātman richten, die nach Ende der vedischen Periode zwischen der Lehre der Upanishaden und der des Siddhārtha Gautama ausgetragen wurde. Während in den Upanishaden das Subjekt in das Zentrum rückte, als passives Substrat und Beweggrund der Erkenntnis, der (Leib-)Wahr­nehmung, des Handelns, wie auch der Möglichkeit eines Transzendierens zum allgemeinen Sein (brahman), zeichnete sich die Lehre des Gautama gerade durch die Ablehnung all dessen aus. Er negierte nicht nur die Existenz eines kontinuierlichen und begründenden Subjekts (anattā), sondern versuchte dabei selbst noch den Negierenden in seiner Leere zu dekonstruieren.

Murat Ates: Lehrbeauftragter am Institut für Philosophie der Universität Wien und Reaktionsmitglied von “polylog”.