Jürgen Link: Große Denormalisierungskrise und Grenze der Sagbarkeit: Wie der mediale Diskurs an Masse und Antagonismus scheitert

Datum/Zeit
​Do 24/11/2016
19:00–20:30

Ort
NIG, Institut für Politikwissenschaft, Hörsaal 1

Typ
Vortrag

Längst sind Verharmlosungstheorien (etwa: Gerhard Schulze, „Das Alarmdilemma“, 2011; oder Angela Merkel) verstummt, die die Exzeptionalität der globalen Krise seit 2007 leugnen. Ein normalismustheoretischer Ansatz erlaubt, operativ zwischen normalen und nichtnormalen Krisen zu unterscheiden und mediale Begriffe wie „Megakrise“ zu konkretisieren. Ein solcher Ansatz kann ebenso den Zusammenhang zwischen Denormalisierung (Verlust der Normalität) und dem Risiko von Antagonismen (nicht normalisierbaren Polarisierungen) aufweisen. Eine Diskursanalyse medialer Narrative erweist sodann, dass in der öffentlichen Darstellung der Krise Antagonismusrisiken unsagbar sind, weil eine irreversible Denormalisierung nur als von vornherein unrealistische, da meta-physische »Apokalypse« narrativiert werden kann. Diese Unsagbarkeit lässt sich als Diskursgrenze fassen, deren Symptom die Irreduktibilität von Massen (finanzieller wie sozialer: exemplarisch Flüchtlinge) auf inter-personale Interaktionen ist.

Jürgen Link: Literaturwissenschaftler, Professor em. an der Universität Dortmund.

Eine Kooperation von: Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien – Fachbereich Politische Theorie, IWK