Johannes Bilstein: Die Bildung und die Künste

Seit mehr als 200 Jahren gehört die Auseinandersetzung mit den Künsten zum Kernbereich menschlicher Bildung: Wir unterstellen und hoffen, dass die – sei es rezeptive, sei es produktive – Beschäftigung mit den Künsten jungen Menschen dabei hilft, ihren Weg im Leben zu finden, sich zu bilden.
Auf der Ebene der Theorie liegt diesen Hoffnungen eine sehr dichte Analogie zwischen den Künsten und der Bildung zugrunde, die Vermutung, dass da irgendwie die gleichen Gesetze und Logiken herrschen, dass die Beschäftigung mit dem Einen – der Kunst – Folgen für das Andere – das Leben – hat. Wenn also Kunst und Musik inzwischen zu den curricular gesicherten Standardfächern des schulischen Unterrichts zählen, ist das insofern kein Zufall, sondern die konsequente Folge einer Grundannahme: dass Kunst und Bildung auf das Engste miteinander verzahnt sind, dass Kunst keineswegs zur Dekoration des Lebens dient, sondern zu dessen essenziellem Kernbereich gehört. Die gegenwärtigen Diskussionen über »kulturelle Bildung« erscheinen vor diesem Hintergrund als Fortsetzung durchaus traditioneller Diskurse, die eng mit der Entwicklung des europäischen Bürgertums und unserer demokratisch-bürgerlichen Kultur verbunden sind.
Johannes Bilstein: Professor für Pädagogik und Dekan des Fachbereichs Kunstbezogene Wissenschaften an der Kunstaka­demie Düsseldorf, Mitglied des Rats für Kulturelle Bildung (D).

Expert_innengespräch mit Johannes Bilstein

Donnerstag, 29.10.2015, 9.00–12.00 Uhr
IWK, Berggasse 17, 1090 Wien
Anmeldung: