Flora Watzal: Dich hätten die Tschechen erschlagen sollen

Datum/Zeit
​Mi 07/12/2022
18:30–20:30

Ort
IWK

Reihe
biografiA – Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung

Typ
Vortrag

Filmrecherche zur Lebensgeschichte der Großeltern von Flora Watzel

Für den Film „Dich hätten die Tschechen erschlagen sollen“ recherchiert Flora Watzal Materialien mit Bezug zu den Lebensgeschichten ihrer Großeltern. Neben Dokumenten aus diversen Archiven sind es vor allem private Briefe und Notizen, sowie Auszüge aus den Scheidungs- und Pflegschaftsstreits der beiden, die persönliche und gesellschaftliche Themen aufschließen. Sie erzählen von der Vertreibung aus der ČSR im Jahr 1945 und den Schwierigkeiten in der neuen Heimat Wien und gleichzeitig immer auch von verdrängten Erlebnissen und Täter:innenschaft während der NS-Zeit.

Der Großvater war Gründungsmitglied der DNSAP-Ortsgruppe seines Dorfes und später beim SD, unter anderem in Simferopol. Die Großmutter war Mitglied bei NSDAP und NSV und arbeitete als Sekretärin bei verschiedenen deutschen Behörden im „Protektorat Böhmen und Mähren“, die maßgeblich an der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung und „Arisierungen“ beteiligt waren.

Die Biografie der Großmutter soll hier besonders in den Blick genommen werden, ihr Versuch sich nach dem Krieg aus allem Politischen herauszuhalten („man schmiert sich nur einmal an“), aber auch ihr Bemühen um Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, das sie immer wieder zurückstellte, um für sich und ihre Angehörigen Sicherheiten zu schaffen. Die Entwicklung ihrer Ehe erscheint beinahe wie eine Wiederholung oder ein Spiegel der Geschehnisse hin zum Zusammenbruch des nationalsozialistischen Systems, an das sie sich in der Hoffnung auf Aufschwung und Aufstieg gebunden hatte.

Flora Watzal ist bildende Künstlerin und Filmemacherin in Wien.
www.florawatzal.at; Verleih/Vertrieb: https://www.sixpackfilm.com/de/