Bildungswege zwischen Teilhabe und Ausgrenzung: Biographische Ansätze in Forschung und Praxis

Datum/Zeit
​Do 30/05/2013–​Sa 01/06/2013
14:30–16:00

Ort
Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien

Typ
Tagung

Seit einigen Jahren werden in den Sozial- und Bildungswissenschaften Prozesse sozialer Ausgrenzung und der Reproduktion gesellschaftlicher Ungleichheit wieder verstärkt thematisiert. Sie betreffen nicht nur die Makroebene der Gesellschaft, sondern wirken auch in den Alltag und die Biographien der Individuen hinein. Unsicherheiten und die Vervielfältigung von Optionen fordern zu neuen Bearbeitungsstrategien, Entscheidungen und Lernprozessen heraus, die vordergründig als individuelle Leistungsanforderung gedeutet und erlebt werden. Dennoch sind die so entstehenden biographischen Handlungen und Erfahrungen zugleich eingebunden in wirkmächtige gesellschaftliche Kontexte, die differenziert analysiert werden müssen. Einer dieser Kontexte ist das Bildungssystem. Hier werden Lebenswege vorstrukturiert und begrenzt, etwa in den Übergängen zwischen Bildungsinstitutionen sowie durch curriculare „Fahrpläne“, Zertifikate und Berechtigungen. Zugleich werden Möglichkeitsräume eröffnet, durch Bildung soziale Grenzen zu verschieben und unter bestimmten Bedingungen auch zu überschreiten. Soziale Ungleichheitsstrukturen wirken dabei offen und verdeckt, und sie werden durch das Bildungssystem selbst auch reproduziert. Paradoxerweise wird vom Bildungssystem zugleich erwartet, soziale Ungleichheiten zu bearbeiten und abzubauen.

Im Rahmen der Arbeitstagung werden diese widersprüchlichen Prozesse mit Blick auf die biographischen Subjekte thematisiert. Es wird gefragt, wie und in welchen Kontexten Bildung gesellschaftliche Teilhabe und Zugehörigkeit ermöglicht oder Ausgrenzungen und Marginalisierung (re-)produziert, Handlungspotenziale erweitert oder einschränkt. Dabei werden vor allem prekäre Bildungsbiographien in den Blick genommen, die nicht selten durch das Bildungssystem selbst erzeugt werden, sowie pädagogische Interventionsstrategien, die zur Reparatur nicht gelingender Bildungswege etabliert werden. Im Fokus steht die Frage, welche Rolle biographische Forschungen und biographieorientierte Praxiskonzepte in der Analyse und Begleitung solcher Bildungswege spielen.

Programm und Ablauf

Donnerstag, 30.5.2013

  • 14.30 Uhr: Bettina Dausien, Daniela Rothe, Dorothee Schwendowius (Wien): Begrüßung und Einführung in die Tagung
  • 15.15 Uhr: Bettina Dausien, Daniela Rothe, Dorothee Schwendowius (Wien): Teilhabe und Ausgrenzung als biographische Erfahrung – Perspektiven auf empirisches Material
  • 17.00 Uhr: Lisa Pfahl (Bremen) und Boris Traue (Berlin): Das Wissen um die eigenen (Un-)Möglichkeiten. Selbstthematisierung und Subjektivierung in Bildungsprozessen

Freitag, 31.5.2013

  • 9.00 Uhr: Christoph Reinprecht (Wien): Biographie als Illusion? Wie der Wandel der Ungleichheitsordnung individuelle Lebensverlaufmuster und Biographiekonstruktionen verändert
  • 10.30 Uhr: Workshops (parallel): Prekäre Bildungsverläufe im Kontext gesellschaftlicher Differenzverhältnisse

Workshop 1: Karin Cudak (Siegen): Auf die Perspektive kommt es an: Mikronarrative als Zeichen lokaler und globaler Aushandlungsprozesse; Katrin Huxel (Münster): „Schule“ in den biographischen Selbstpräsentationen männlicher Jugendlicher mit Migrationshintergrund

Workshop 2: Tobias Buchner (Wien): Behinderungserfahrungen in der Sonderschule in biographischer Perspektive

  •  15.00 Uhr: Workshops (parallel): Bildungs- und Berufswege inder Migrationsgesellschaft

Workshop 1: Brigitte Kukovetz (Graz): Bildungs- und Berufswege von Fachkräften mit Migrationsgeschichte in der Erwachsenenbildung: Strategien und biographische Entwürfe unter erschwerenden Bedingungen?; Dorothee Schwendowius (Wien): Erfolgreiche Karrieren oder prekäre Zugehörigkeiten? Bildungsbiographische Konstruktionen von Studierenden mit Migrationsgeschichte in pädagogischen Studiengängen

Ressourcenorientierte Ansätze in der Arbeit mit Bildungsbenachteiligten

Workshop 2: Monika Kastner (Klagenfurt): Potenziale von Kompetenzfeststellung und Zertifizierung: Bildungsbenachteiligung kompensieren, Bildungswege öffnen und Teilhabe fördern?; Gert Dressel (Wien): Bildungs- und Lernerfahrungen von benachteiligten Jugendlichen – Grenzen des Erzählens in pädagogischen Settings

  • 17.00 Uhr: Begehung des Stadtteilprojekts Brunnenpassage im 16. Bezirk mit Ivana Pilic (Wien)

Samstag, 1.6.2013

  • 9.30 Uhr. Beatrix Niemeyer (Flensburg): Übergänge im Wandel. Ein historisch-vergleichender Blick auf Übergangsförderungspolitik und -praxis
  • 11.00 Uhr: Workshops (parallel): Prekäre Übergänge in Bildungs- und Berufsbiographien und ihre sozialpädagogische Begleitung

Workshop 1: Eva Mey (Luzern): Übergänge zwischen Eigengestaltung und Fremdbestimmung: Ergebnisse einer biographischen Längsschnittstudie bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund; Angela Rein (Basel): Zur Konstruktion von Differenzen und Normalitäten in der Begleitung von Übergängen in der Jugendhilfe aus biographischer Perspektive

Workshop 2: Birte Egloff (Frankfurt): Prekäre Übergänge in Biographien funktionaler AnalphabetInnen als pädagogische Herausforderung

  •  12.30 Uhr: Bildungswege zwischen Teilhabe und Ausgrenzung – Ergebnisse, Statements, Perspektiven

 Konzeption und Organisation

Bettina Dausien, Daniela Rothe, Dorothee Schwendowius (Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien / Arbeitsbereich: Bildung und Beratung Lebenslauf)