Andreas Cremonini: Daheim. Zur Topoanalyse der Intimität

Datum/Zeit
​Fr 10/01/2014
19:30–21:00

Ort
IWK

Reihe
Psychoanalyse und Gesellschaftstheorie

Typ
Vortrag

Das „Heim“ ist ein ganz besonderer Ort. Es ist nicht bloß ein Punkt auf der Landkarte oder eine Stelle im dreidimensiona-len Raum, es ist der Ort, wo wir im Innersten (lat. intimus) unseres Wirkungskreises, wo wir ganz bei uns selbst sind. Ohne ein Zuhause werden wir in der Welt nicht heimisch, ohne eine der Öffentlichkeit entzogene Zone der Intimität finden wir, so scheint es, keinen Stand in ihr.
Aufgrund dieser überragenden Bedeutung ist das Heim ein „Topos“, der in Literatur, Film und bildender Kunst vielfach bearbeitet wird. Doch viele diese Bearbeitungen machen auf eine Zweideutigkeit im Heim aufmerksam. Das Heim ist ein Ort der Geborgenheit, es kann aber auch als fremd (beengend, bedrängend oder gar verschlingend) erfahren werden. So gibt es eine Ambivalenz im Heimischen, die das Vertraute, Gewohnte mit dem Außerordentlichen, Schrecklichen ver-bindet: Das Heim wird unheimlich.
Der Vortrag wird das „Daheim“ in Rückgriff auf die Analysen von Bachelard, Merleau-Ponty, Heidegger und Freud in sei-nen räumlichen, leiblichen und unbewussten Aspekten erkunden. Anhand einiger filmischer Beispiele – „Lost Highway“ von David Lynch, „Home“ von Ursula Meier und „Caché“ von Michael Haneke – werden Parallelen zum „unheimlichen Heim“ in Kunst und Alltag gezogen.
Andreas Cremonini: wissenschaftlicher Mitarbeiter am NFS Iconic Criticism „eikones“ (Basel), Gastprofessor an der Kunstakademie Münster.