Staat und politische Bildung: Deutschland und Österreich im historischen Vergleich

Datum/Zeit
​Fr 17/04/2015
16:00–19:00

Ort
IWK

Typ
Tagung

Auf den ersten Blick war die Ausgangssituation für politische Bildung in der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland nach 1945 ähnlich: Beide Staaten mussten und sollten nach den Erfahrungen einer totalitären Diktatur, in die weite Teile ihrer Gesellschaften involviert waren, wieder demokratisch werden. Demokratieerziehung und das Re-Education-Programm der Alliierten sollten daher in beiden Ländern eine zentrale Rolle spielen. Tatsächlich war die vergangenheitspolitische Lage in Deutschland und Österreich jedoch unterschiedlich. Während in der Bundesrepublik Deutschland als NS-Nachfolgestaat ein umfassendes System politischer Bildung etabliert wurde, bewegten sich derartige Bestrebungen in Österreich, das sich ja in erster Linie als Opfer des Nationalsozialismus verstand, auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Wahrscheinlich nicht zu Unrecht überwiegt daher in Österreich bis heute der Eindruck, dass politische Bildung in Deutschland im Vergleich sowohl institutionell als auch intellektuell erheblich besser ausgestattet ist. In diesem Zusammenhang spielt die Bundeszentrale für politische Bildung eine wichtige Rolle. Das 2013 erschienene Buch „Staat und politische Bildung“ von Gudrun Hentges rekonstruiert nun erstmals umfassend deren Geschichte bis in die 1960er-Jahre und analysiert dabei auch kritisch eine Reihe höchst problematischer Aspekte, wie etwa die NS-Vergangenheit einiger ihrer Protagonisten oder die einseitige Dominanz des antikommunistischen Paradigmas während des Kalten Krieges.

Die Veranstaltung wirft vor diesem Hintergrund einen vergleichenden Blick auf die Geschichte politischer Bildung in Deutschland und Österreich, um auf dieser Basis über die gegenwärtige Situation zu diskutieren.

 Programm

  •  Gudrun Hentges (Fulda): „Heimatdienst“ und politische Bildung in Deutschland
  • Wilhelm Filla (Wien): Parteienzentrierte politische Bildung in Österreich
  • Dieter Segert (Wien): Engagiert und marginalisiert: Subjektive Eindrücke zur politischen Bildung in Österreich

 Vortragende

Wilhelm Filla: ehemaliger Generalsekretär des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen und Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung (1992–2004).

Gudrun Hentges: Professorin für Politikwissenschaft am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Hochschule Fulda.

Dieter Segert: Professor für Politikwissenschaft an der Universität Wien.

Günther Sandner: Research Fellow am Institut Wiener Kreis, lehrt politische Bildung an der Universität Wien und an der Sozialakademie der Arbeiterkammer.

Konzept und Organisation

Günther Sandner