Lynne Heller im Gespräch mit Hedi Ballantyne

Datum/Zeit
​Di 12/12/2017
18:30–20:30

Ort
IWK

Reihe
Frauenbiographieforschung

Typ
Vortrag

Podiumsgespräch von Dr. Lynne Heller mit Hedi Ballantyne, geb. Hedwig Stoehr (4. 9. 1927, Wien), jüngstes Kind des Komponisten, Musiktheoretikers und Pädagogen Richard Stöhr. Sie konnte am 16. Juni 1939 mit einem Kindertransport nach Großbritannien fliehen.

Hedi Ballantyne, geb. Hedwig Stoehr (4. 9. 1927, Wien, jüngstes Kind des Komponisten, Musiktheoretikers und Pädagogen Richard Stöhr (geb. Stern) und seiner Frau Marie (geb. Eitler), besuchte in Wien einen Montessori-Kindergarten und die Evangelische Volksschule/Hauptschule am Karlsplatz. Nach dem „Anschluss“ konnte sie am 16. Juni 1939 mit einem Kindertrans- port nach Großbritannien fliehen. Dort besuchte sie mit Hilfe einer Sponsorin, später auf einem Freiplatz, die private Baston School for Girls in Hayes, Bromley, Kent. Während des Krieges Evakuierung nach South Devon und Somerset; Schulabschluss 1944. Ausbildung zur „Nursery Nurse“, nach Kriegsende kurze Berufstätigkeit als Kinderschwester, dann nach Schweden, wo sie ihre Mutter und ihren Bruder wiedersah. 1946 emigrierte sie in die USA, wo ihr Vater Zuflucht vor dem NS-Regime gefunden hatte. Dort Besuch der University of Vermont, die sie 1950 mit einem B.A., später als M.A. in German Language abschloss. Arbeit als Lehrerin für Deutsch und Französisch. Eheschließung mit dem Stadt- und Umweltplaner Charles J. Ballantyne, damals frisch verwitwet mit Kleinkind, zusammen drei weitere Kinder. Neben und nach ihrer Berufstätigkeit intensive ehrenamtliche Arbeit, u. a. mit mexikanischen Waisenkindern. Hedi Ballantyne bezeichnet sich als „ardent lifelong learner“.

Lynne Heller ist Leiterin des Archivs der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw). 1992 wurde ihre Dissertation „Die Reichshochschule für Musik in Wien 1938-1945“ approbiert. 1994 hat sie eine fünfbändige, unveröffentlichte „Geschichte der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien 1909-1970“ als Schlussbericht eines Forschungsprojekts des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung verfasst. Ihre langjährige Beschäftigung mit Verfolgung und Vertreibung von Lehrenden und Studierenden der ehemaligen „Musikakademie“ Wien führte zu zahlreichen Veröffentlichungen zu diesem Thema. Am 14. Dezember 2017 wird in der mdw ihre Ausstellung zu Richard Stöhr, dem langjährigen Lehrer an der Musikakademie  Wien, 1938 „vom Dienst beurlaubt“, mit einem Konzert eröffnet.