Ilse Korotin/Edith Stumpf-Fischer (Hg.): Bibliothekarinnen in und aus Österreich.

Datum/Zeit
​Di 12/05/2020
19:00–21:00

Ort
Hauptbücherei am Gürtel

Reihe
Das Exil von Frauen – historische Perspektive und Gegenwart

Typ
Präsentation Vortrag

(= Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung Band 25), Praesens Verlag, Wien 2019

Bibliotheksgeschichte stellte sich lange Zeit als eine Geschichte von Männern – meist Leitern großer Bibliotheken – dar. Dem Anteil der Frauen an der Entwicklung des Bibliothekswesens wurde kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Die Namen der Bibliothekarinnen – wie auch ihre Arbeit – gerieten in Vergessenheit (als eindrucksvolles Beispiel sei hier vorweg auf die Biografie der am Wiener Philosophischen Institut über 20 Jahre unbesoldet als Bibliothekarin tätigen Philosophin Amalia Rosenblüth hingewiesen. Nur durch ihr „Untertauchen“ gelang ihr in letzter Minute die Flucht aus dem nationalsozialistischen Wien. Ihre bibliothekarische Laufbahn setzte sie später in den USA fort).

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde damit begonnen, Frauen in Bibliotheken für wenig qualifizierte Tätigkeiten aufzunehmen. In den 1920er Jahren wurde schließlich der gehobene Fachdienst (Maturant*innen) eingerichtet und zu diesem Zeitpunkt finden sich auch die ersten Frauen auf akademischen Posten.

Die nun vorliegenden Ergebnisse des Dokumentations- und Forschungsprojekts zur (historischen) Entwicklung des Bibliothekarinnenberufs zeigen ein breitgefächertes Spektrum an Bibliotheken und bibliotheksrelevanten Einsatzbereichen, in denen Frauen ihre berufliche Tätigkeit – aber auch ihr pädagogisches sowie bildungs- und gesellschaftspolitisches Engagement entfalteten und bis in die Gegenwart wesentlich zu deren Entwicklung beitrugen. Besonders Rücksicht genommen wurde dabei auch auf jene Frauen, die durch die zeithistorischen Ereignisse bedingt Österreich verlassen mussten, bzw. – wie im Fall der Afrikanistin Marianne Schmidl, im Konzentrationslager ermordet wurden.

Programm:

Nach einer Einleitung durch die Herausgeberinnen stellen Autorinnen ausgewählte Beiträge vor:
Christine Kanzler (Weibliche Bibliothekarstätigkeit um 1900)
Gisela Kolar (Wiener Arbeiterbüchereien)
Susanne Blumesberger (Bibliothekarinnen im Exil)
Christine Köstner-Pemsel (Bibliothekarinnen an wissenschaftlichen Bibliotheken)

 

Susanne Blumesberger, Phaidra-Digitale Langzeitarchivierung, Universitätsbibliothek Wien sowie Institut für Germanistik, Universität Wien
Christine Kanzler, Biografieforscherin und Erwachsenenbildnerin, Wien
Ilse Korotin, Leiterin der Dokumentationsstelle Frauenforschung, Institut für Wissenschaft und Kunst, Wien
Gisela Kolar, Historikerin und AHS-Lehrerin
Christine Köstner-Pemsel, Leiterin der Fachbereichsbibliothek Romanistik an der Universitätsbibliothek Wien
Edith Stumpf-Fischer, Biografieforscherin, Wien