Heidi Behrens: Vielstimmigkeit und Subjektivität als Prinzipien. Wie biographische Erzählungen die politische Bildung verändert haben

Seit den 1980er-Jahren konnte sich in der BRD der biographische Ansatz zunächst in Erziehungswissenschaft, Soziologie und Geschichtsschreibung etablieren. Auch die pädagogische Arbeit mit Zeitzeugen der Jahre 1933 bis 1945 in NS-Gedenkstätten hatte einen hohen Stellenwert, und die Massenmedien setzten zunehmend auf das Erfahrungswissen der „Mitlebenden“. Dennoch dauerte es noch mehr als ein Jahrzehnt, bis Ansätze des »biographischen Lernens« und der »biographischen Kommunikation« in der politischen Erwachsenenbildung als gleichberechtigtes Konzept neben anderen praktiziert und auch von Skeptikern allmählich akzeptiert wurde. Der Vortrag skizziert den zurückgelegten Weg, zeigt Impulse auf und setzt sich mit Prinzipien biographischer Kommunikation auseinander. Vor dem Hintergrund zeitgeschichtlicher Ereignisse und gesellschaftlicher Herausforderungen wird schließlich nach Perspektiven – auch für die Profession – gefragt.

Julia Demmer (Wien): Irritationen im Umgang mit biographischen Erzählungen in der pädagogischen Praxis
Als Respondenz zum Vortrag von Heidi Behrens aus österreichischer Perspektive wird eine ethnographische Studie zu NS-ZeitzeugInnengesprächen in Settings der historisch-politischen Bildungsarbeit vorgestellt.

Julia Demmer ist seit 2010 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien.

Heidi Behrens war bis 2008 pädagogische Mitarbeiterin und Mitglied im Leitungsteam des Bildungswerks der Humani­stischen Union Essen. Arbeitsschwerpunkte u.a.: politische Bildung zur NS- und DDR-Geschichte, Erinnerungskultur und Gedenkstättenpädagogik, biographisches Lernen.

Expert_innen-Gespräch

Donnerstag, 24.1.2013, 9.00–12.00 Uhr, IWK