Buchpräsentation: Doing Gender in Exile

Datum/Zeit
​Di 07/05/2019
18:30–20:30

Ort
IWK

Reihe
Das Exil von Frauen – historische Perspektive und Gegenwart

Typ
Vortrag

Geschlechterverhältnisse, Konstruktionen und Netzwerke in Bewegung

Sowie zum aktuellen Exil Ruth Jenrbekova, die als in Wien lebende Künstlerin aus Kasachstan eine autobiografische trans* Perspektive einbringt.

Unter Exilbedingungen können Menschen wesentliche Handlungsräume verlieren, aber auch neue gewinnen und das Exil als Chance und Aufbruch wahrnehmen. Im Spannungsfeld zwischen den vergeschlechtlichten Räumen des Herkunftslandes und jenen des Aufnahmelandes verändert sich jedenfalls die Sicht auf eigene und fremde Geschlechtsidentitäten. Mit Blick auf die Konstruktionen und Praktiken von „doing gender“ soll das Exil als Katalysator für die Transformation von Geschlechterrollen und sexuellen Identitäten neu betrachtet und analysiert werden. Der Band zeigt, wie emigrierte Personen unter dem Druck der neuen Verhältnisse sowie auf eigene Initiative an ihrer geschlechtlichen Identität festhalten oder sie  verwerfen bzw. wie sie diese neu interpretieren oder übersetzen. Oft verstärken prekäre Lebensbedingungen und gesellschaftliche Ausschlüsse deren Verunsicherung und Abhängigkeit, haben aber auch das Potenzial deren Kreativität und Agency zu fördern. „Heimatlosigkeit“ in ihrer vielfältigen Ausprägung steht in engem Zusammenhang mit Geschlechtsidentität und vielfältigen anderen Differenzkategorien. Die einzelnen Beiträge beleuchten anhand spannender zeitgeschichtlicher und aktueller Beispiele den Konstruktionscharakter von Geschlecht, von Diskursen und Organisationsformen um Geschlechtlichkeit, von Praktiken der Erzeugung von Geschlechterdifferenz, von Machtverhältnissen und sozialen Ungleichheiten.
Herausgeberinnen, beide aktive Mitglieder in der FrauenAG der ÖGE

Irene Messinger, Politikwissenschaftlerin im Bereich Migrations- und Exilforschung, Kuratorin der Ausstellung „Verfolgt. Verlobt. Verheiratet. Scheinehen ins Exil“ (Jüdisches Museum Wien 2018), zuletzt Herausgeberin von „A Cherry Dress. Kommentierte Memoiren der exilierten Bühnen- und Lebenskünstlerin Anita Bild“ (V&R 2018), Lehre und Forschung an der FH Campus Wien Soziale Arbeit.

Katharina Prager, Historikerin und Kulturwissenschaftlerin im Bereich Biografieforschung und Geschlechtergeschichte. Kuratorin der Ausstellung „Geist versus Zeitgeist: Karl Kraus in der Ersten Republik“ (Wienbibliothek 2018). Zahlreiche Publikationen zu Wien 1900, Exil und Remigration; zuletzt erschien die Monografie „Berthold Viertel. Eine Biografie der Wiener Moderne“ (Böhlau 2018).