Hauptgebäude der Universität Wien am Universitätsring, Seminarraum 7 (Universitätsring 1, 1010 Wien)
- Vortrag auf Deutsch
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Was ist Zeit? Dieser Workshop untersucht drei Antworten aus der indischen Metaphysik, mit besonderem Augenmerk darauf, wie Theorien der Ursächlichkeit diese geprägt haben. Im Nyāya–Vaiśeṣika erfordert die Theorie, dass Wirkungen nicht in ihren Ursachen präexistieren (asatkāryavāda), dass die Zeit – verstanden als das, was Ursache und Wirkung voneinander trennt – eine reale, unabhängige Substanz ist. Die gegensätzliche Theorie, dass Wirkungen in ihren Ursachen präexistieren (satkāryavāda), teilt sich in zwei Strömungen:
(a) Im Sāṃkhya wird sie zu einer Theorie, nach der Wirkungen reale Modifikationen ihrer Ursache sind (pariṇāmavāda). Da die Ursache im Kern die ursprüngliche Natur (prakṛti) ist – die einzige letztendliche Realität neben dem reinen Bewusstsein (puruṣa) – kann die Zeit nur als aus ihr hervorgehend existieren, d. h. als die Abfolge der Modifikationen der Natur.
(b) Im Advaita Vedānta wird sie zu einer Theorie, nach der Wirkungen scheinbare Modifikationen ihrer Ursache sind (vivartavāda). Da die Ursache letztlich unveränderlich ist und die einzige Realität (brahman), kann die Zeit selbst nichts anderes sein als ein bloßer Schein (māyā).
Cristina-Maria Chițu ist DOC-fellow an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
