Mara Siegl: Theodor W. Adorno: Eine Ästhetik ideologiekritischen Schreibens
Theodor W. Adornos Werke sind nicht für ihre einfache Lesbarkeit bekannt. Steht dahinter lediglich ein elitärer Gestus des Akademikers oder gibt es auch weniger banale Gründe für den eigenwilligen Schreibstil?
Adorno beschreibt in „Der Essay als Form“ (1958), wie Texte verfasst werden können, um einer ideologischen Vereinnahmung der Sprache und damit auch der Wissenschaft möglichst zu entgehen. Die enthaltenen sprachphilosophischen und erkenntnistheoretischen Annahmen werden später in seiner „Ästhetischen Theorie“ (posthum 1970) auf die gesamten Künste ausgeweitet. Es zeigt sich, dass die vernunft- und sprachkritischen Überlegungen Adornos weitreichende Auswirkungen auf sein Schreiben hatten und die Lektüre seiner Texte nach einer Auseinandersetzung mit den ästhetischen Grundannahmen nicht nur leichter fällt, sondern im besten Fall auch inspirieren kann.
Mara Siegl hat Germanistik und Philosophie in Hannover, Stuttgart und Paris studiert und ist als Verlagslektorin im Wissenschaftsbereich tätig. Ihr Erkenntnisinteresse liegt an der Schnittstelle von Ästhetik und Kritischer Theorie.
Johann Dvorák: Theodor W. Adorno als “öffentlicher Intellektueller”
(in seinen Vorträgen in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich, in den 1950er und 1960er Jahren)
Theodor W. Adorno hat im amerikanischen Exil eine Art und Weise des öffentlichen Handelns und des gesellschaftspolitischen Engagements von Intellektuellen kennengelernt, wie er es von Deutschland her nicht gewohnt war. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland begann er sich, in einem für einen damaligen deutschen Universitätsprofessor ungewöhnlichen Ausmaß, in gesellschaftspolitischen Fragen zu engagieren.
Er äußerte sich in öffentlichen Vorträgen und Diskussionsbeiträgen, oft im Radio,
zu Problemen der Demokratie und zu ihrer Entwicklung
zu bildungs- und kulturpolitischen Fragen
zu Fragen des Sexualstrafrechts
zum Wiederstarken des Rechtsextremismus und des Antisemitismus
Dieses Wirken wird im Vortrag im Überblick dargestellt.
