Interkulturelles Philosophieren: Theorie und Praxis

Philosophien Indiens

Unter interkulturellem Philosophieren wird die Bemühung verstanden, in die philosophischen Diskurse Beiträge aller Regionen, Kulturen und Traditionen als gleichberechtigt einzuflechten. Dabei sollen diese nicht nur vergleichend nebeneinander gestellt, sondern so in einen offenen gemeinsamen Raum gebracht werden, dass alle Positionen in diesem polylogischen Gespräch für Veränderungen offen gehalten bleiben. Interkulturelles Philosophieren ist somit keine bestimmte Theorie, Disziplin oder Schule, sondern steht für eine Neuorientierung in der Praxis des Philosophierens.

Der bereits seit 1993/94 bestehende Arbeitskreis am IWK versteht sich dabei als ein Forum für einen solchen philosophischen Polylog, der sich in diesem Semester den »Philosophien Indiens« widmen wird. Dabei steht nicht nur das Gespräch mit jener philosophischen Tradition im Vordergrund, sondern gleichermaßen auch die Problematisierung der Vorstellung, wonach jene Tradition als eine homogene und in sich abgeschlossene Einheit existiere. Aus diesem Grund verweist der Titel nicht auf den Singular »indische Philosophie«, sondern eben auf den Plural »Philosophien Indiens«, welcher bereits in sich auf eine polylogische Situierung verweist. Beim Arrangement der Vorträge und der Podiumsdiskussion für das Sommersemester war es uns jedenfalls ein besonders Anliegen, aufzuzeigen, dass die sogenannte »indische Philosophie« in sich diverse und durchaus auch in antagonistischem Widerstreit stehende Denkbewegungen birgt, welche wiederum zu jeweils unterschiedlichen Kollaborationen in einen weltweiten Diskurs führ(t)en. Unser Programm möchte dementsprechend unterschiedliche Einblicke anbieten: Es werden u.a. Fragen politischer Philosophien Indiens im Bezug einer modernen Menschenrechtsbegründung thematisiert, wie auch in weiteren Terminen zur Frage stehen wird, was in yogischen und tantrischen Traditionen unter jenen Einsichten verstanden werden kann, die auf einer leiblich erlebten Erfahrung basieren müssen. Im Kontrast dazu werden wir aber auch Denktraditionen vorstellen und in einem interkulturellen Kontext diskutieren, welche sich als logische und erkenntnistheoretische Schulen verstanden haben und bereits in der indischen Antike komplexe und höchst reflexive Systembildung hervorgebracht haben.

Koordinatoren

Murat Ates: Lehrbeauftragter an der Universität Wien, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universtiät des Saarlandes sowie Redaktionsmitlgied der Zeitschrift polylog,

Michael Shorny: Gründungs- und Vorstandmitglied der Wiener Gesellschaft für interkulturelle
Philosophie,  Redaktionsmitglied der Zeitschrift polylog.

Bevorstehende Veranstaltungen

Datum/Zeit Veranstaltung
​Do 21/06/2018
19:00–21:00
Dekoloniale Theorie in Lateinamerika Institut für Philosophie der Universität Wien, Wien
​Mi 27/06/2018
19:00–21:00
Zur Poesie widerständigen Wissens in der afrikanischen Diaspora Institut für Philosophie der Universität Wien, Wien