Hintergrund

Ob im Theater oder im Konzertsaal, in der Ausstellung, im Tanz- oder im Medienbereich – Ausgrenzungen, Zugangsbarrieren, Kulturalisierungen durch undifferenzierte Zuschreibungen an Akteur_innen wie Besucher_innengruppen ziehen sich durch die Kunst- und Kulturlandschaft. Diese glaubt gerne von sich oder gibt vor, offen „für alle“ zu sein, geht aber oft auf die unterschiedlichen Lebensrealitäten der Bevölkerung nicht ein.

In der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Ursachen von Ungleichheit und struktureller Diskriminierung widmet sich der Lehrgang der Vermittlung und Aneignung einer kritischen Diversitätspraxis für den Kunst- und Kulturbereich. Es geht darum zu zeigen, wie die Gestaltung und Produktion von Programmen, Veranstaltungen sowie Kooperationsformen und Allianzbildungen im Konkreten organisiert werden können.

Diversität bezeichnet Vielfalt und Heterogenität, die Wahrnehmung und Anerkennung vielschichtiger und heterogener Lebensrealitäten von Menschen. Laut EU-Gleichbehandlungs- und Antidiskriminierungsrichtlinien bilden Gender, sexuelle Orientierungen, Alter, Herkünfte und Hautfarbe, Behinderung, Religion und Weltanschauung die Kerndimensionen von Diversität, aufgrund derer Menschen kategorisiert und von gesellschaftlicher, ökonomischer, sozialer oder kultureller Teilhabe ausgegrenzt und diskriminiert sein können. Menschen können dabei von mehreren Diskriminierungsformen zugleich betroffen sein, die auf unterschiedlichen Ebenen – individuell, gesellschaftlich, global – wirken, wie dies der Begriff der Intersektionalität analytisch zu fassen versucht.
Kritische oder wissenskritische Diversitätskonzepte verorten sich an der Schnittstelle verschiedener Theorien, Ansätze und Bewegungen wie u.a. Queer Theory, postkoloniale und Social Justice Theorien, Empowermentbewegungen,antirassistische und transkulturelle Handlungsansätze. Sie haben – anders als das klassische profitmaximierende und vermarktungsorientierte Verständnis von Diversity-Management – die Zugangs- und Teilhabemöglichkeiten aller Menschen an allen Ressourcen sowie die Beseitigung struktureller Diskriminierung zum Ziel.

Diversität ist dabei nicht ausschließlich mit Differenz gleichzusetzen, sondern bewegt sich immer in einem Spannungsfeld zwischen Prozessen der Herstellung von Gleichheit (Homogenisierung, gemachte Normalitäten …) und der Herstellung von Differenzen (Unterschieden-Werden, othering). Diesem Verständnis nach wird Diversität als Analysekategorie herangezogen, um gleichzeitig vielfältige Lebensentwürfe anzuerkennen sowie gesellschaftliche Differenz- und Ungleichheitsstrukturen in den Blick zu nehmen – zwei Aspekte, die nach Maisha Eggers zentral und kennzeichnend sind für die Diversitätsperspektive. So argumentiert sie, „dass der Diversitätsbegriff durchaus das Potential besitzt, eine zentrale analytische Verknüpfung zwischen Heterogenität und sozialer Gerechtigkeit zu erwirken„.
Dieses Potential gilt es auf das künstlerische und kulturelle Feld anzuwenden und herauszuarbeiten.