Ursula Klein: Unterlassen als Un/Möglichkeit für Entwicklung

Datum/Zeit
​Do 22/01/2015
19:00–21:00

Ort
IWK

Reihe
Interkulturelles Philosophieren: Theorie und Praxis

Typ
Vortrag

Für Entwicklung, so scheint es, muss stets etwas getan werden. Doch passiert Entwicklung nicht auch und zu einem wesentlichen Teil über das, was unterlassen wird? Können wir die Welt nur tätig gestalten? Und welche Gültigkeit hat ein Vorrang des Tuns gegenüber dem Unterlassen in einem moralischen Kontext? Unterlassen kann auch bedeuten, etwas Schlechtes oder Schädigendes nicht zu tun. Mit dem daoistischen Begriff des wuwei wird ein solches Nicht-Tun um Aspekte des „von-selbst-so“ erweitert. Unterlassen ist nicht Untätigsein, vielmehr manifestiert es sich im Tätigsein, denn es bedeutet, etwas nicht zu tun. Dass etwas nicht zu tun zu Entwicklung beitragen kann, erscheint zunächst unsinnig, denn Entwicklung bedeutet doch, dass wir durch unser Zu-Tun die Welt nach unseren Vorstellungen formen. Doch was tun, wenn Entwicklung essenzielle Bereiche des menschlichen Zusammenlebens entwertet und Lebensgrundlagen zerstört? Was tun, wenn „Entwicklung“ das übertönt, was buen vivir (das gute Leben) bedeutet?

Ursula Klein: handwerklich-künstlerische Tätigkeit, Studium der Internationalen Entwicklung an der Universität Wien.