„Sundays at Salka’s.“ Salka Viertels Salon im amerikanischen Exil in Santa Monica

Datum/Zeit
​Di 02/06/2020
18:30–20:30

Ort
IWK

Reihe
Das Exil von Frauen – historische Perspektive und Gegenwart

Typ
Vortrag

Ein Vortrag von Carola Bebermeier

„[…] she had something which you would call a salon, only it was without any pretension. Everybody liked to be there; everybody felt immediately at home. It was not very elegant, but very well – the house was with much taste.“

Mit diesen Worten erinnert sich Marta Feuchtwanger rund 30 Jahre später an die Salongeselligkeiten, die sie im Haus von Salka und Berthold Viertel in den 1940/50er Jahren in Santa Monica erlebt hat. Wie bei ihr und ihrem Mann Lion Feuchtwanger handelte es sich bei einem Teil der ständigen Salongäste – oder auch der habitués – um vor politisch, ethnisch oder religiöser Verfolgung aus Europa geflüchteter Künstler:innen und Intellektuelle. Diese zogen in  den 1930er Jahren in die Metropole Los Angeles, um, wie die Viertels, in der sich rasant entwickelnden Filmindustrie als Schauspieler:innen, Schriftsteller:innen, Komponisten, Musiker:innen etc. finanzielles Auskommen und eine berufliche Perspektive zu finden. Genau hierfür erwies sich Salka Viertels Salon als zentrales Drehkreuz, denn die im Nachhinein häufig als „emigré community“ bezeichneten Geflüchteten – wie Maria und Aldous Huxley, Hanns und Louise Eisler, Helene Weigel, Ruth Berlau und Bert Brecht, Charlie Chaplin, Katja und Thomas Mann, Nelly und Heinrich Mann, die Feuchtwangers, Arnold und Gertrud Schönberg, Theodor W. und Gretel Adorno, Helene Thimig und Max Reinhardt – trafen in diesem Mikrokosmos auf etablierte Größen der Filmindustrie wie Ben Schulberg, Greta Garbo, Ernst Lubitsch oder Wilhelm Dieterle. Und auch Salka Viertel selbst hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits ein umfangreiches Netzwerk innerhalb der Filmindustrie Hollywoods erarbeitet. Sie war 1928 mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in die Stadt umgesiedelt und begann Anfang der 1930er Jahre, nachdem sie als deutschsprachige Schauspielerin in ihrem alten Beruf keinen Anschluss fand, erfolgreich als Drehbuchautorin zu arbeiten.

Im Vortrag wird die zentrale Bedeutung von Salka Viertels Salon als Treffpunkt der emigré community sowohl zum professionell-ästhetischen und politischen Austausch, der Netzwerkbildung, als auch als eine Art heimatlicher Hafen diskutiert.

Carola Bebermeier (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)

Nach dem Studium des Lehramts für Musik, Geschichte und Erziehungswissenschaften an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und an der Universität zu Köln (Abschlussarbeit: „Francesco Petrarca – Humanismus, Kultur und Musik“), begann Carola Bebermeier 2009 ihre Dissertation bei Prof. Dr. Melanie Unseld an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit dem Thema „Celeste Coltellini (1760-1828) – Lebensbilder einer Sängerin und Malerin“. Die Promotion wurde durch Stipendien der Universität Oldenburg, der Mariann Steegmann-Foundation sowie des DAAD gefördert und ist im Juli 2015 im Böhlau-Verlag erschienen. 2014/15 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Oldenburg und 2016 bis Ende 2018 in der gleichen Position an der Universität zu Köln im DFG-Forschungsprojekt „Musikalische Preisausschreiben 1766-1870: Grundriss, Datenbank und Bibliographie auf der Grundlage von Musikperiodika“ (Lehrstuhl: Prof. Dr. Frank Hentschel) angestellt. Im Januar 2019 wechselte sie an das Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Lehrstuhl: Prof. Dr. Melanie Unseld) um innerhalb des FWF-Projektes „Musical Crossroads. Musikkultureller Austausch Europa-USA 1800-1950“ an ihrem Habilitationsprojekt zur Musikkultur in nordamerikanischen Salons zu arbeiten.