Erwachsenenbildung und Wissenschaft. Zugänge zu einem zeithistorischen Gegenstandsbereich

Ein Vortrag von Ursula Apitzsch 

Angesichts der dramatischen Perspektive zunehmender struktureller Arbeitslosigkeit in hochindustrialisierten Gesellschaften, insbesondere im Zusammenhang der Entwicklung des „Internet der Dinge“, wird die Dringlichkeit, ja geradezu die Verpflichtung zu beruflicher Weiterbildung in einem Prozess lebenslangen Lernens von Politiker_innen immer vehementer formuliert. Begründet wird sie mit der Notwendigkeit der Prävention des sozialen Ausschlusses und somit letztlich mit einem ökonomischen Determinsmus und nicht mit den Bedürfnissen sowie einer neuen Freiheit der Subjekte im Kampf mit der Natur (Heydorn 1980).
Wie aber können die Subjekte die Motivation zu solchen erzwungenen Lernprozessen der Anpassung entwickeln? Werden sie solche Bildung nicht als Endpunkt einer fortgesetzten Enteignung kulturell tradierten Arbeitsvermögens empfinden und Widerstand dagegen entwickeln?
Der Vortrag stellt die Frage, ob das Paradigma der Arbeiterbildung, das in den Rätebewegungen nach dem 1.Weltkrieg insbesondere im Austromarxismus des Wiener Kreises, in den Volksbildungsbewegungen der Weimarer Republik und im Umfeld der Kritischen Theorie von Oskar Negt nach dem 2.Weltkrieg entwickelt wurde, heute noch plausible Ansätze bereit hält.
Ursula Apitzsch ist Professorin für Politik und Soziologie im Schwerpunkt „Kultur und Entwicklung“ der Goethe-Universität Frankfurt am Main